blackprint | Technische Hochschule Aschaffenburg

Digital Leaders in Real Estate Germany 2021 Studie

Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft

Die blackprint hat gemeinsam mit dem Digitalisierungsberater brickalize! und der TH Aschaffenburg die Studienreihe PropTech Germany fortgesetzt. In der nun erschienenen „Digital Leaders in Real Estate“-Studie wird die Einschätzung von 86 etablierten Immobilienunternehmen zum PropTech-Sektor untersucht.

Deutlich erkennbar ist, dass Entscheider in Immobilienunternehmen einen stark zunehmenden Druck zur Digitalisierung spüren. 97,6 % der Teilnehmenden geben an, dass Digitalisierung in ihrem Unternehmen eine mittlere oder hohe Priorität hat. Angetrieben wurde dies durch die Corona-Pandemie, die laut 94,2 % der Befragten einen mittleren bis hohen Druck verursachte. Auch das Thema ESG treibt die Digitalisierung in Immobilienunternehmen weiter an. 69 % nehmen durch die Regulatorik einen erhöhten Druck zur Digitalisierung wahr, besonders stark in Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden, wo 85 % einen erhöhten bis hohen Druck durch ESG bestätigen. Unter anderem durch diesen aktuellen Druck erwarten 96,5 % der Teilnehmenden ein mittleres bis sehr hohes Wachstumspotential für PropTechs. Das größte Potential sehen Unternehmen in der Lebenszyklusphase „Betreiben“. Am stärksten vertreten sind innovative Lösungen in der Assetklasse Büro, in der 70,9 % der Befragten auf PropTech-Angebote zurückgreifen. In der Assetklasse Wohnen sind es 61,6 %. Bei den Technologien stehen Plattformen mit 72,1 % an erster Stelle, gefolgt von Big Data (45,4 %) und IoT (40,5 %). Obwohl das Potential erkannt wurde, ist der finanzielle Einsatz von Immobilienunternehmen in digitale Lösungen noch überschaubar: 75,6 % investieren jährlich höchstens 50.000 Euro in PropTech-Lösungen. Zudem geben 30,2 % an, mit keinem oder nur einem PropTech zusammenzuarbeiten, während 12,8 % mit mehr als zehn PropTechs kooperieren. Sarah Schlesinger, Geschäftsführerin bei blackprint, betont: „Die Studie zeigt ganz deutlich, dass der Reifegrad der Zusammenarbeit zwischen etablierten Immobilienunternehmen und PropTechs noch nicht so weit vorangeschritten ist, wie es sein könnte. Da ist noch sehr deutlich Luft nach oben. ESG als ‚gesunde Krise‘ wird diese Entwicklung vorantreiben.“

Noch scheinen die Herausforderungen für PropTechs in vielen Bereichen groß zu sein. Beim Markteintritt sehen rund 94 % der Digital Leaders den fehlenden Zugang zu Daten als größte Hürde. 87,2 % nehmen zudem die heterogene Immobilienbranche und die Entscheidungsstrukturen beim Kunden als Hindernisse wahr. Philipp J. Liebold, geschäftsführender Gesellschafter bei brickalize!, erklärt: „Für uns war es sehr wichtig, mit der Digital Leaders in Real Estate Studie das Bild vom PropTech-Sektor zu komplettieren. Es ist auffallend, dass es zum Beispiel zwischen der Wahrnehmung der Hürden bei PropTechs und etablierten Unternehmen eine Diskrepanz gibt. Vor allem werden die Hürden von etablierten Unternehmen deutlich stärker gewichtet. Bei den PropTechs selbst etwa nahmen in der jüngsten PropTech Germany Studie 2021 lediglich 58,4 % der Befragten den Zugang zu Daten als relevante Hürde wahr.“ Auch bei der Geschäftsanbahnung mit PropTechs erkennen die Digital Leaders vielfältige Hürden: 93 % sehen die mangelnde Kenntnis der Immobilienwirtschaft über die Vorteile der Implementierung als Problem, gefolgt vom fehlenden Verständnis der PropTechs für Funktionsweisen, Prozesse und Wertschöpfungsketten (89,5 %), fehlendem Netzwerk (87,2 %) und dem schwierigen Zugang zum richtigen Ansprechpartner (83,7 %). Hier scheinen beide Seiten, Digital Leaders und PropTechs, noch auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache zu sein. Prof. Dr. Verena Rock, Direktorin des Instituts für Immobilienwirtschaft und -management an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, fasst zusammen: „Die zentrale Frage, die sich aus der Studie ergibt, ist: Wer wird das sichtbar entstehende Ökosystem in Zukunft orchestrieren? Werden das weiterhin die großen Player und etablierten Immobilienunternehmen sein? Oder werden es doch eher PropTechs, die in strategischen Partnerschaften mit der Immobilienwirtschaft eine immer stärkere Rolle spielen?“

David Nadge

Nach einer Orientierungsphase gelangt die Branche zur Selbsterkenntnis – die Digital Leaders Studie schließt eine bedeutende Informationslücke.

Die Studie unterstreicht eindrucksvoll, wie unaufhaltsam der Wandel innerhalb der Immobilienbranche voranschreitet, und auch Corona ändert nichts am grundsätzlichen Trend. Etablierten Unternehmen müssen schleunigst diesem Wandel folgen und damit mit Proptechs kooperieren sowie sich selbst in technologiezentrierte Unternehmen transformieren. Ansonsten werden sie in 5 oder 10 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Marktfähigkeit eingebüßt haben.

Florian Stadlbauer

Die Studienreihe ist ein Kooperationsprojekt von: