Facility Management entwickelt sich vom operativen Dienstleister zum strategischen Gestalter der Immobilienwirtschaft, der durch intelligente Technologien, neue Betriebsmodelle und vernetzte Kompetenzen die Zukunft der Branche maßgeblich prägt.
gefma ist besonders durch sein Richtlinienwesen bekannt. Die Standardisierung von Prozessen für eine skalierbare Qualität gehört damit seit jeher zu unserer DNA. Bereits vor drei Jahrzehnten hat unser Verband damit einen wichtigen Grundstein im Mindset der Immobilienwirtschaft gelegt, einen Ansatz, der heute mehr denn je entscheidend ist, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen und ihre Potenziale zu erschließen.
Anfang 2026 hat gefma die Zukunftswerkstatt gegründet. Diese ist als „vertikales“ Vertiefungsformat eng mit der „horizontalen“ Future Real Estate Initiative verzahnt, die branchenübergreifend entlang der gesamten Wertschöpfungskette arbeitet. Ergänzend zu den FREI-Formaten bearbeiten wir jedes Fokusthema in eigenen Workshops vertiefend aus konkreter FM-Perspektive. Dabei betrachten wir die Themen bewusst nicht isoliert, sondern stellen Zusammenhänge, Wechselwirkungen und übergreifende Handlungsfelder heraus.
Wir haben Halbzeit bei der Betrachtung der 6 Fokusthemen und stellen in den folgenden Abschnitten unsere ersten Ergebnisse kurz dar:
OPERATIONAL EXCELLENCE
Die Zukunftsfähigkeit von Immobilien entscheidet sich im Betrieb.
Hier treffen steigende Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Compliance auf einen zunehmenden Fachkräftemangel und eine wachsende technologische Komplexität. Facility Management entwickelt sich damit weg vom reinen Kostenfaktor hin zum strategischen Erfolgsfaktor – und Operational Excellence zu einem zentralen Zukunftsfeld der Immobilienwirtschaft.
Der Fachkräftemangel ist dabei kein reines Personalthema, sondern ein Betriebs-, Wissens-, Kosten- und Transformationsrisiko. Die Antwort darauf liegt in der konsequenten Digitalisierung und Standardisierung von Gebäudewissen, -daten und -prozessen als Grundlage für ein hybrides „Mixed Target Operating Model“ aus Menschen, KI-Agenten und Automatisierung. Agentic AI wird dabei nicht als Ergänzung, sondern als notwendige Antwort auf den Fachkräftemangel verstanden und gilt als Werkzeug, das Erfahrungswissen nutzbar macht, ohne den Menschen zu ersetzen. Dabei gilt es, sich von einem Input-orientierten zu einem Output-orientierten Performanceansatz als neues Geschäftsmodell zu entwickeln.
Operational Excellence bedeutet deshalb weit mehr als Prozessoptimierung. Sie beschreibt den Übergang zu einem standardisierten, datenbasierten und zunehmend vorausschauenden Gebäudebetrieb. Das FM übernimmt darin eine neue Rolle: Es verwaltet nicht mehr nur den Betrieb, sondern orchestriert Menschen, Daten und Technologie. Damit wird FM zu einem Zukunftsträger der Immobilienwirtschaft.
ENERGY TRANSFORMATION
Steigende Energie- und CO₂-Kosten, regulatorische Anforderungen sowie neue Technologien und Geschäftsmodelle erhöhen den Transformationsdruck auf Immobilien. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten, Gebäude nicht mehr nur als Energieverbraucher, sondern als Erzeuger, Speicher und aktive Teilnehmer des Energiesystems zu verstehen. Energie entwickelt sich damit vom reinen Kostenfaktor zunehmend zu einem steuerbaren Wertschöpfungsfaktor der Immobilie.
PV-Anlagen, Batteriespeicher und perspektivisch bidirektionales Laden ermöglichen eine stärkere Eigenversorgung und flexible Energienutzung. Entscheidend wird dabei die Fähigkeit, den Verbrauch dynamisch an Energiepreise und Netzanforderungen anzupassen. Agentic AI wird zum zentralen Enabler dieser Entwicklung: Das Gebäude regelt sich zunehmend selbst. Voraussetzung dafür sind belastbare und standardisierte Daten sowie klare Entscheidungsregeln.
Für das Facility Management bedeutet dies einen grundlegenden Rollenwandel: vom Betreiber technischer Anlagen zum aktiven Manager der Energieperformance. Dafür braucht es neue Kompetenzen sowie eine stärkere Zusammenarbeit mit Technologieanbietern, Netzbetreibern und Energieakteuren. Netzdienlichkeit und Energieperformance werden zu zentralen Zukunftsfaktoren im Betrieb von Immobilien.
FUTURE LEADERSHIP & SKILLS
Fachkräftemangel, neue Technologien und Geschäftsmodelle sowie Agentic AI verändern auch die Anforderungen an Führung im Facility Management grundlegend. Diese definiert sich künftig weniger über Wissen, Hierarchie und Kontrolle, als vielmehr über die Fähigkeit, Orientierung und Sicherheit zu geben sowie Menschen, Technologien und externe Partner wirksam zusammenzuführen. Gleichzeitig entstehen neue Rollen- und Kompetenzmodelle sowie hybride Betriebsmodelle aus Mensch, KI und Robotik.
Damit wird Orchestrierung die zentrale Kompetenz: Führungskräfte müssen Richtung und klare Leitplanken vorgeben und gleichzeitig Freiräume für Eigenverantwortung, Innovation und Veränderung schaffen. Softskills gewinnen dabei ebenso an Bedeutung wie Technologiekompetenz, Wissenstransfer zwischen den Generationen und die Fähigkeit, unterschiedliche Gewerke, Rollen und Menschen differenziert zu führen, ohne Verantwortung vollständig an Technologie abzugeben.
Über die Autoren
Über gefma e.V.
gefma ist mit über 1.100 Mitgliedsunternehmen das größte Facility-Management-Netzwerk Deutschlands. Als neutrale Plattform vernetzt der Verband Nutzer, Dienstleister, öffentliche Institutionen und Kommunen. Seit über 25 Jahren fördert gefma die Weiterentwicklung der Branche durch Qualitätsstandards, über 100 Richtlinien und fachlichen Austausch. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie Aus- und Weiterbildung – für ein zukunftsfähiges Facility Management.





