Gruppe 1

b.noppen@diakonie-michaelshoven.de; nwallner@tenbrinke.com; adam.aj-jazairi@rewe-group.com; moritz.hofmann@ofb.de

„Ja, also… ich versuche es mal einfach zu erklären, wie wir das bei uns in einem sehr großen Bestand – so wie bei einer REWE Group – machen würden, wenn wir unsere Datengrundlage einmal sauber checken wollen und gleichzeitig klären wollen, welche Daten wir für Förderungen und Nachweise überhaupt brauchen.

Der Auslöser ist bei uns meistens nicht „ein Schaden“, sondern eher ein strategischer Auftrag: Entweder kommt der Impuls aus Nachhaltigkeit/ESG, aus Finance, aus dem Energiemanagement oder aus dem Immobilienbereich selbst – zum Beispiel weil wir Förderprogramme nutzen wollen, weil wir Energie- und CO₂-Kosten besser steuern müssen, weil wir in Richtung CSRD/ESRS oder EU-Taxonomie belastbarer werden wollen oder weil wir im Bestand gezielt modernisieren (Dächer, Kälteanlagen, Heizungen, PV, Gebäudehülle, Beleuchtung etc.). Manchmal ist es auch ein klassischer „Audit-Schmerz“: Man merkt, dass Daten zwar irgendwo existieren, aber nicht konsistent, nicht vollständig oder nicht prüfbar sind.

Sobald klar ist, dass wir das angehen, legen wir das Ganze als Programm bzw. als Datenprojekt an – typischerweise mit einem zentralen „Use-Case-Backbone“: Welche Förderungen/Nachweise wollen wir überhaupt ermöglichen und welche Entscheidungen sollen am Ende damit getroffen werden? Wir arbeiten dann nicht von „wir sammeln mal alles“ aus, sondern von den konkreten Zielbildern rückwärts: Förderfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Risiko/Compliance und Umsetzungssteuerung.

Als erstes machen wir eine Art Bestandsaufnahme im System – nur eben nicht am Gebäude, sondern in der Datenlandschaft. Wir schauen: Welche Systeme haben wir? Wo liegen die „Quellen der Wahrheit“? Das können zum Beispiel CAFM/IWMS-Systeme sein, ERP/Finance, Energiemanagement, Zähler-/Messstellenportale, Wartungs- und Betreiberpflichten-Tools, Dokumentenmanagement, Flächenmanagement, Miet-/Pachtverwaltung, Projektmanagement-Tools, und je nach Reife auch BIM- oder digitale Gebäudemodelle. Dann legen wir einen einheitlichen Objekt- und Standortschlüssel fest (das ist extrem wichtig), damit wir Daten später sauber zusammenführen können: Standort → Objekt → Gebäudeteil → Anlage → Zähler → Maßnahme.

Wenn die Datenquellen klar sind, definieren wir pro Standort/Objekt einen standardisierten „Datensatz“, den wir brauchen. Der besteht grob aus vier Blöcken:

Erstens: Stammdaten zum Objekt. Also: Standort-ID, Adresse, Nutzungsart (Markt, Logistik, Verwaltung etc.), Baujahr/Modernisierungsstände, Flächen (BGF/NGF/VK-Flächen je nach Logik), Eigentum/Anmietung (weil Förderlogik und Investitionsentscheidungen davon abhängen), sowie grundlegende Dokumente wie Pläne, Baubeschreibungen, Anlagenlisten oder Revisionsunterlagen.

Zweitens: Energiedaten und Verbrauchsdaten. Also: welche Energieträger (Strom, Gas, Fernwärme, Öl, Kälte etc.), welche Zähler gibt es, wie ist die Messlogik (Hauptzähler/Unterzähler), welche Zeitreihen liegen vor (idealerweise monatlich, oft sogar viertelstündlich), welche Kostenstellen, und ob wir die Daten plausibilisieren können. Im Handel ist außerdem wichtig, dass wir die großen Verbraucher sauber trennen können – typischerweise Kälte, HVAC, Beleuchtung, Prozessenergie – weil genau dort die Hebel und auch viele Förderlogiken liegen.

Drittens: Technische Anlagendaten. Das ist für Förderfähigkeit oft der kritischste Teil, weil Programme häufig technische Mindestanforderungen, Effizienzklassen, Nachweise zur Auslegung oder spezifische Komponenten voraussetzen. Dazu gehören beispielsweise Daten zu Kälteanlagen (Kältemittel, Füllmengen, Leckageraten/Service, Effizienz), Heizungsanlagen, Lüftung, Regelungstechnik, Beleuchtung, Gebäudeautomation, PV/Elektro, sowie Wartungs- und Prüfprotokolle. Wichtig ist nicht nur „was ist eingebaut“, sondern auch „in welchem Zustand“, „wie alt“, „wann ist der nächste Austauschzyklus“, und

„welche Nachweise können wir auditfest liefern“.

Viertens: Maßnahmen- und Investitionsdaten. Also: welche Modernisierungen sind geplant oder schon gelaufen, welche Kosten sind angefallen, welcher Zeitraum, welcher Standortbezug, welche erwarteten Einsparungen (kWh/€ / tCO₂), welche Abhängigkeiten (z. B. Netzanschluss, Statik Dach, Genehmigungen), und welche Dokumente existieren dazu (Angebote, Rechnungen, Abnahmen, Förderbescheide, technische Nachweise).

Wenn diese Datenblöcke definiert sind, kommt die eigentliche Qualitätssicherung: Wir prüfen pro Standort die Daten auf Vollständigkeit, Konsistenz und Plausibilität.

Vollständigkeit heißt: Haben wir die Pflichtfelder? Konsistenz heißt: Stimmen Flächen und Objektstrukturen über Systeme hinweg überein? Plausibilität heißt: Passt der Verbrauch grob zur Nutzung und zur Fläche? Gibt es Ausreißer, Nullwerte, Sprünge nach Umbauten? Und ganz wichtig: Können wir die Daten auf eine Quelle und ein Dokument zurückführen, sodass ein Prüfer oder ein Fördermittelgeber das nachvollziehen kann?

Parallel clustern wir den Bestand, weil man bei sehr vielen Objekten nicht alles gleich tief prüfen kann. Typischerweise macht man ein Screening: erst Portfolio-Überblick, dann Fokus auf die Objekte mit hoher Relevanz (hoher Verbrauch, hohes Einsparpotenzial, kritische Anlagen, geplante Investitionen, oder Standorte, die kurzfristig in Förderprogramme passen). Daraus entsteht dann eine Roadmap: Welche Standorte haben „Daten-ready“, welche brauchen Datennacharbeit, welche brauchen technische Begehung oder Anlageninventur.

Wenn wir einen Förder-Use-Case konkret spielen – sagen wir: Austausch von Beleuchtung, PV, Gebäudeautomation, Wärmepumpe, Kälteanlagen-Optimierung – dann bilden wir dafür einen standardisierten „Förderfähigkeits-Check“. Der ist wie eine Checkliste mit Nachweislogik: Welche Mindestanforderungen gelten technisch? Welche Unterlagen müssen wir vorlegen? Welche Fristen gelten (z. B. Antrag vor Auftrag)?

Welche Kosten sind förderfähig? Welche Rollen müssen unterschreiben? Und: Welche Daten müssen wir dazu im Bestand schon heute sauber haben, damit wir nicht jedes Mal bei Null anfangen?

Am Ende dokumentieren wir das alles zentral: Wir schließen die Datenprüfung pro Standort nicht nur als „okay/nicht okay“ ab, sondern mit einem klaren Ergebnis: Datenstatus (grün/gelb/rot), fehlende Datenpunkte, empfohlene Maßnahmen zur Datenerhebung (z. B. Zählerstruktur verbessern, Anlagenkataster nachziehen, Dokumente zentralisieren), und konkrete nächste Schritte, um Förderungen und Investitionsentscheidungen schneller und sicherer zu machen. Und wir pflegen das nicht einmalig, sondern als laufenden Prozess – weil in einem großen Bestand ständig Umbauten, Betreiberwechsel, Anlagenwechsel und neue Anforderungen passieren.

Ja, so läuft das bei so einem großen Portfolio im Groben. Der Kern ist immer: nicht Daten sammeln um der Daten willen, sondern vom Ziel rückwärts denken – Förderfähigkeit, Nachweisbarkeit und Steuerbarkeit. Und dann eine robuste, wiederholbare Datenlogik aufbauen, die für tausende Standorte funktioniert.“

 

Gruppe 2

tore.waldhausen@r3leaf.earth Geschäftsprozess Betriebsthema

Problem: Datenvollständigkeit, Datenqualität Von technische Anlagen

Mangelt an Struktur, wie erhoben, wie transportiert Sind an unterschiedlichen Stellen im Konzern Vereinheitlichung schwierig

Isoliert im Fachbereich häufig genutzt, aber nicht verarbeitbar für andere Bereiche Manche brauchen Excel, andere PDF. Manche PDF

Um Effizienz zu bewerten, will ich rückwirkend Prozessteile prüfen Bsp. Wärmepumpe nicht effizient

Daten dafür könnte man sich zusammensuchen Dafür kann Format diktiert werden

Aber Prozessdaten (Betrieb, Temperatur, Wetter) nicht vorhanden, nicht sinnvoll zusammengebracht

Vorlauftemperatur, rücklauf, umwälzpumpe etc. Kann ausgelesen werden – fehlt überblick über diese wichtigen physikalischen Indikatoren

Nicht properitär Fragen

Welche Anlage gehören zu welchem gebäude Welche Daten habe ich

Welche brauche ich

Bsp- Anfrage: was für eine Heizungsanlage, welche heizqueelle? Wirkungsgrad, was kann ich optimieren

Von grob zu klein

Es gibt kaufmännische und technische Daten

Tool soll diese Daten verquicken und je nach Anforderung rollenspezifische rückmeldun geben mit Informationen und in gewünschten Format

Kann Budgetanfrage mit reingeben… Anforderung anders formuliert:

Bestehende Daten für unterschiedliche Anforderungen nutzbar machen

Gruppe 3

melissa.mikulic@eu.aew.com

Problem: Prozess eines funktionierenden Datenraums/Datenmanagementsystems:

Aktuell läuft es so, dass alle Mitarbeiter ihre eigenen Ordner und Strukturen haben, in denen sie Dokumente ablegen, die sie nach eigenem Ermessen und Vorlieben benennen. So dass sich diese in diversen Ordnern befinden, aus anderen Abteilungen schlecht gefunden werden können. Dokumente immer wieder doppelt abgelegt sind und man diese nicht richtig suchen kann. Selbst bei einem Verisch der Nutzung eines Datenmanagementsystems wird dieses eher als Datenablage verwenden, anstatt die Vorteile der digitalen Nutzung zu verwenden. Problem ist sicherlich auch, dass keiner sich ganzheitlich verantwortlich fühlt und keine Kapazitäten zur Umsetzung hat.

Gruppe 4

hannah.brief@gmail.com

Ausformulierung Prozessbeschreibung PV im Immobilien Asset Management. Anfang Datensammlung für ist Situation Gebäude : Statik, Businessplanung Dach & Gebäudehülle. Grundrisse& Schnitte, technische Anschlüsse, parallele Netzbetreiber Infos, Nutzerstrukturen und assetklasse. Dann Prüfung der Eignung von Solar auf Dach und kwp, Verschattung, abwärmenutzung Trafos, Batteriespeicher und Emobility, Ermittlung Bedarf mit eigenverbrauch und Einspeisung. Dann Wirtschaftlichkeit für Immobilie und Fonds bzw. Eigentümer Strukturen in Anlagenpacht oder dachpacht.

Berechnung Strompreis für mieterstrom. Vertragsprüfung, Finanzierung, Dienstbarkeiten prüfen. Dachzustandsprotokolle. Nach Beauftragung Projektmanagement mit allen stakeholdern (Asset Management, Mieter, Propety Management, Fonds Management, Supplier, Betreiber)

Gruppe 5

juergen.schneider@gefma.de

Interview: Ein typischer Prozess im Facility Management (FM) Gesprächspartner: Markus B. (erfahrener Facility Manager in einem Bürokomplex) Thema: Ablauf einer Störungsmeldung (z.B. Heizungsausfall im Winter)

Interviewer: Markus, danke, dass du dir Zeit nimmst. Stell dir vor, ein Mieter meldet: „Es ist eiskalt im Büro.“ Was passiert jetzt genau? Wie sieht dieser Prozess bei euch typischerweise aus?

Markus B.: Gerne. Das ist ein klassischer Fall. Der Prozess lässt sich am besten in fünf Phasen unterteilen, die wir über unser CAFM-System (Computer-Aided Facility Management) steuern.

 

Phase 1: Meldung und Erfassung (Input)

Die Meldung kommt über das Helpdesk (E-Mail oder Portal).

  • Aktion: Der Mitarbeiter im Helpdesk erfasst die Meldung und legt einen Arbeitsauftrag (Work Order)
  • Wichtig: Es wird eine Priorität vergeben (z.B. „Hoch“, da Heizungsausfall im Winter arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann).

 

Phase 2: Analyse und Disposition (Technik) Ich übernehme den Auftrag.

  • Aktion: Ich prüfe im System: Welche Heizungsanlage ist betroffen? Wann war die letzte Wartung?
  • Ressourcenplanung: Ich schicke den Techniker raus, der für diesen Bereich zuständig ist, oder rufe unseren externen Wartungsvertragspartner an.

 

Phase 3: Durchführung und Dokumentation (Operativ)

Der Techniker ist vor Ort.

  • Aktion: Fehlerdiagnose (z.B. Pumpe defekt). Ersatzteil muss bestellt
  • Digitale Dokumentation: Der Techniker dokumentiert den Fehler, die benötigten Teile und die Arbeitszeit direkt auf seinem Das ist entscheidend für die Nachvollziehbarkeit und Compliance.

 

Phase 4: Abschluss und Qualitätssicherung Die Heizung läuft wieder.

  • Aktion: Der Techniker schließt den Arbeitsauftrag im
  • Feedback: Eine automatisierte E-Mail geht an den Mieter: „Ihr Auftrag wurde bearbeitet. Ist alles wieder warm?“.

 

Phase 5: Analyse und Optimierung (Strategisch) Der Fall ist erledigt.

  • Analyse: Im Nachgang prüfe ich (oder mein CAFM-System), ob es die dritte Reparatur bei dieser Pumpe war.
  • Ergebnis: Entscheidung, die Anlage zu modernisieren, um zukünftige Kosten zu senken (taktische Ebene).
  1. Investitionen: Hohe Hürden, wackelige Zusagen

Wärmepumpen, PV, Netzausbau, Sanierungen – die Investitionen sind erheblich. Wohnungsunternehmen und Eigentümer brauchen Verlässlichkeit, keine Förder- und Regelungslotterie. Statt langfristig stabile Rahmenbedingungen zu setzen, bleiben Förderkulissen und regulatorische Vorgaben ein bewegliches Ziel. Planung auf 15–20 Jahre trifft auf politische Halbwertszeiten von Legislaturperioden – ein Risiko, das viele Investitionen bremst.

  1. Netzengpässe: Elektrifizierung ohne Infrastruktur

Alle reden von Elektrifizierung, aber kaum jemand von den Netzen, die sie tragen sollen. In vielen Quartieren sind die Verteilnetze am Limit; Anschlusskapazitäten fehlen oder sind nur mit langwierigen und teuren Ausbauten zu bekommen. Die GMG‑Eckpunkte sprechen zwar von Zielen, aber nicht von der harten Voraussetzung: Ohne massiven, priorisierten Netzausbau ist die Wärmewende im Bestand ein theoretisches Planspiel.

  1. Sanierungsstau: Komplexität statt Skalierung

Der Gebäudebestand ist heterogen, die Sanierungsfälle sind komplex – gerade im Bestand der Wohnungswirtschaft. Anstatt standardisierte, skalierbare Lösungswege zu etablieren, produziert die Regulierung kleinteilige Pflichten, Fristen und Ausnahmen. Das Ergebnis: Individualproblemlösung statt industrieller Transformation. Wer hunderte oder tausende Einheiten dekarbonisieren will, braucht einfache, wiederholbare Modelle – nicht Interpretationsspielräume.

  1. Fachkräftemangel: Wärmewende ohne Hände

Die Wärmewende scheitert zunehmend an wachsender Nachfrage und knapper Umsetzungskapazität. Installateure, Planungsbüros, Energieberater, Netzexperten – überall fehlen Fachkräfte. Trotzdem bleibt dieses Thema in den GMG‑Eckpunkten eine Randnotiz. Regulierung, die zusätzliche Komplexität schafft, ohne die Umsetzungskapazitäten mitzudenken, ist nicht nur wirkungslos – sie ist kontraproduktiv.

  1. Bürokratie: Wenn Aktenordner wichtiger sind als CO‑Reduktion

Genehmigungsverfahren, Abstimmungen mit Netzbetreibern, Förderbedingungen, Dokumentationspflichten – die Realität von Dekarbonisierungsprojekten ist ein Bürokratiemarathon. Die GMG‑Eckpunkte reduzieren diese Belastung nicht, sie erhöhen sie.

 

Damit entsteht ein grotesker Widerspruch: Auf der Bühne wird Tempo gefordert, im Maschinenraum werden zusätzliche Bremsen eingebaut.

Die bittere Wahrheit: Die Politik erklärt die Dekarbonisierung zur Pflicht, verhindert sie aber durch ihre eigene Komplexität. Die GMG‑Eckpunkte sind ein Paradebeispiel für diesen Widerspruch.

Lösungen liegen auf dem Tisch: Wärmepumpe, PV, Contracting, Mieterstrom – und der Mut zur Klarheit

Während die Regulierung zaudert, hat der Markt längst angefangen, Fakten zu schaffen. Die Bausteine für eine resiliente, dekarbonisierte Wärmeversorgung sind da – sie müssen nicht erfunden, sondern skaliert werden.

Wärmepumpe & PV: Von „Nice-to-have“ zu kritischer Infrastruktur

Wärmepumpen und Photovoltaik sind keine idealistischen Prestigeprojekte, sondern knallharte Resilienztechnologien. Sie bieten:

  • lokale, berechenbare Energie statt fossiles Roulette
  • deutlich geringere Abhängigkeit von geopolitischen Krisen
  • langfristig stabilere Betriebskosten im Vergleich zu fossilen Systemen
  • echte CO₂‑Reduktion statt Rechentricks und Übergangsquoten

Mit jeder weiteren Krise wird klarer: Wer heute noch neue fossile Systeme verteidigt, verteidigt nicht Versorgungssicherheit, sondern Unsicherheit.

Contracting: Dekarbonisierung ohne Investitionsschock

Contracting ist das Gegenmodell zur Investitionsblockade. Professionelle Partner finanzieren, bauen und betreiben die Anlagen, während Eigentümer planbare Wärmepreise und moderne Technik erhalten. Gerade für größere Bestände ist das der pragmatische Weg, aus der „Wir würden ja, aber…“-Schleife auszubrechen.

Statt Contracting gezielt zu erleichtern, produziert die Regulierung jedoch Unsicherheiten bei Langfristverträgen, Pflichten und Zuständigkeiten. Hier liegt ein riesiger Hebel, der politisch kaum genutzt wird.

Mieterstrom: PV im Mehrfamilienhaus – heute, nicht morgen

Mieterstrom ist einer der direktesten Wege, um Mieter*innen an der Energiewende zu beteiligen und gleichzeitig Bestandsgebäude wirtschaftlich aufzuwerten. Er senkt Energiekosten, erhöht Akzeptanz und erschließt Dächer, die sonst brachliegen würden. Die Herausforderungen sind bekannt: komplizierte Abrechnung, regulatorische Hürden, steuerliche Fragen. Aber statt jene Hürden konsequent abzubauen, bleiben sie bestehen – und zwingen viele Akteure in die Zuschauerrolle.

Netzausbau & Entbürokratisierung: Die harte Basis

Wer ernsthaft dekarbonisieren will, muss zwei unangenehme Wahrheiten akzeptieren:

  1. Ohne massiven, prioritären Verteilnetzausbau wird die Wärmewende im Bestand scheitern.
  2. Ohne radikale Entbürokratisierung werden wir das notwendige Tempo niemals erreichen.

Beides adressieren die GMG‑Eckpunkte nicht mit der notwendigen Klarheit. Stattdessen wird an Details geschraubt, während die strukturellen Voraussetzungen unangetastet bleiben.

Fazit: Die Politik verwaltet den fossilen Ausstieg – der Markt gestaltet die Zukunft

Die GMG‑Eckpunkte sind ein Symbol für die aktuelle Schieflage: Die Politik betont die Dringlichkeit der Dekarbonisierung, schafft aber Rahmenbedingungen, die den Wandel verlangsamen. Der Markt dagegen – von der Wohnungswirtschaft bis zu Energiedienstleistern – zeigt, welche Lösungen funktionieren: Wärmepumpen, PV, Contracting, Mieterstrom und standardisierte Sanierungs- und Quartierskonzepte.

Wer heute noch ernsthaft glaubt, die Zukunft der Wärmeversorgung sei mit fossilen Übergangspfaden zu sichern, argumentiert gegen die Realität.
Die eigentlichen Treiber der Dekarbonisierung sind nicht die Paragraphen der Eckpunkte – sondern die Unternehmen, die trotz dieser Regulierung den Bestand umbauen.

Wenn wir die Wärmewende wirklich schaffen wollen, brauchen wir keine weiteren Übergangsmodelle, sondern einen klaren Bruch: konsequente Priorisierung von Resilienztechnologien, radikalen Bürokratieabbau und Rahmenbedingungen, die diejenigen belohnen, die handeln – nicht diejenigen, die zögern.

Über die Autoren

Annelie Casper

gefma, Geschäftsführerin

E-Mail

Dr. Christian Schlicht

REAL GAIN e.V, Co-Founder

E-Mail

Dr. Marc Gille-Sepehri

REAL GAIN e.V, Co-Founder

E-Mail
Share